Hochwasser – vom Katastrophenbild zum Fachbegriff

Dramatische Bilder bestimmen die Vorstellung „vom Hochwasser“. Ob es die wiederkehrenden Bilder von der Kölner Altstadt im Frühjahr sind, die Fluten der Elbe im August 2002 oder die geballte Wassermacht der Donau in der jüngsten Vergangenheit: Der Begriff Hochwasser wird gemeinhin mit Katastrophe erklärt. Was aber ist das eigentlich – Hochwasser? „Hochwasser ist eine die normale Höhe übersteigende Wasserführung eines fließenden oder stehenden Gewässers infolge von Niederschlägen oder Schneeschmelze.“

Es geht ums Wetter – besser gesagt um als schlecht empfundenes Wetter -, den Starkregen, die Schneeschmelze, spezielle Wetterlagen, den Sturm. Dabei treten Regenereignisse nicht häufiger auf als vor 100 Jahren. Man geht allerdings davon aus, dass sich aufgrund der globalen Erderwärmung die Regenmengen und der Zeitraum, in dem sie auftreten, dramatisch verändert haben. In sehr kurzer Zeit fallen sehr große Mengen an Regen, die extrem schnell die Gewässer stark ansteigen lassen, wodurch große Schäden möglich werden. Zudem werden in zunehmendem Maße viele kleinere Flüsse bei Hochwasserereignissen zu reißenden Strömen.

Kaum ein wasserwirtschaftliches Thema ist in der jüngeren Vergangenheit so intensiv beschrieben und diskutiert worden - und kaum ein anderes Thema wird so schnell wieder vergessen und verdrängt, wenn ein Hochwasserereignis vorbei ist.

Nach Berechnungen der Wissenschaftler des renommierten Alfred-Wegener-Instituts für Polar- und Meeresforschung hat eine Modellstudie ergeben, dass die Hochgebirgsgletscher bis zum Jahr 2100 schneller schmelzen werden als bisher angenommen. Damit steigt auch die Gefahr von katastrophalen Überschwemmungen in den Gebirgsregionen (s. „WasserWirtschaft“, Ausgabe 5/2006).

An den großen Flüssen in der Bundesrepublik Deutschland – wie Rhein, Mosel und Donau – lebt man seit jeher mit dem möglichen Hochwasser, auch wenn es das mittlerweile fast jedes Jahr gibt. Die Menschen wissen in aller Regel Bescheid und können damit umgehen - zumindest, wenn es sich um „normales“ Hochwasser handelt. Anders sieht das zum Beispiel bei denjenigen aus, die in ausgewiesenen Hochwasserschutzgebieten leben, ohne es zu wissen. Wohnen am Wasser ist attraktiv, überlieferte Kenntnisse über den vorsichtigen Umgang mit diesen Räumen wurden ebenso „verschüttet“ wie traditionelle Retentionsräume – Auen und andere Flächen, die in früheren Jahren den Abfluss von Hochwasser auf natürliche Weise regeln halfen, mussten Gewerbe- und Wohnbebauung weichen.

Nicht das Hochwasser selbst, sondern erst die Zerstörung von Werten, Wirtschaftsgütern, Hab und Gut der Menschen und die Bedrohung für Leib und Leben durch das Hochwasser müssen verhindert bzw. deutlich verringert werden. Vorbeugender Hochwasserschutz ist gefragt. In der Fachliteratur werden die Möglichkeiten eines nachhaltigen Vorlandmanagements als Baustein des präventiven Hochwasserschutzes ebenso wie das Zusammenwirken von Hochwasserschutz und Deichsicherheit als Ansatz zur mittel- und langfristig nachhaltig angelegten Entwicklung von Tieflandgewässern diskutiert. In diesem Rahmen erhält auch die Kombination von Hochwasser- und Naturschutz größeres Gewicht – Gefahrenminderung durch Wasserrückhaltung in der Fläche ist eines der Stichworte.