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Was brauchen unsere Städte? Tagung der IK-Bau NRW in der Messe Essen

Impressionen von der Tagung Infrastruktur. Fotos: Samuel Becker

Straßen, Schienen und Leitungen sind die gebauten Lebensadern unserer Kreise, Städte und Gemeinden. Über ihren aktuellen Zustand und zentrale Herausforderungen für die kommunale technische Infrastruktur in NRW berichteten vier Experten am 10. Januar 2018 im Rahmen der Tagung „Infrastruktur der Zukunft – was brauchen unsere Städte?“ anlässlich der Baufachtage West in der Messe Essen.

Den Auftakt vor rund 130 Teilnehmerinnen und Teilnehmern machte Hilmar von Lojewski, Beigeordneter des Deutschen Städtetages und des Städtetages Nordrhein-Westfalen für Stadtentwicklung, Bauen, Wohnen und Verkehr. Er zeigte auf, dass insbesondere bei Fahrbahndecken und -unterbau sowie im Bereich von Brücken und Unterführungen gravierende Investitionsrückstände zu verzeichnen seien. Ziel sei es, eine Lanze für die Bauleute in den Kommunen zu brechen und ihnen die Argumentation im politischen Raum zu erleichtern. Er sprach sich dafür aus, ein Bauprojekt immer auch als politisches Projekt zu begreifen. 

Investitionsbedarf bei Kanalnetzen
Die kommunale unterirdische Leitungsinfrastruktur kennt Holger Klingebiel vom Ingenieurbüro Achten und Jansen GmbH aus Aachen gut. Er berichtete über ihren Zustand, den Instandsetzungsbedarf, notwendige Innovationen und die Finanzierung. Ein weitreichendes Aufgabenfeld, schaut man beispielsweise auf die öffentlichen Kanäle: Sie erstrecken sich in NRW über 60.000 Kilometer Länge und sind zu 98 Prozent untersucht. Bei etwa zwanzig Prozent besteht Sanierungsbedarf, das entspricht einem Schadenspotential von etwa 5,5 Milliarden Euro. Die 200.000 Kilometer an privaten Leitungen in NRW seien laut Klingebiel kaum untersucht und wohl weniger gut in Form.

Schnittstellen und Standardisierung
Bei Dr.-Ing. Andreas Bach von der Schüßler-Plan Ingenieurgesellschaft mbH ging es um das Thema Digitales Planen und Bauen. Building Information Modeling, kurz BIM, käme mittlerweile bei rund 95 Prozent der hauseigenen Hochbau-Projekte zum Tragen. Im Bereich der Infrastruktur berichtete Bach vom Pilotprojekt „Rhein-Ruhr-Express“. Dort entsteht ein gemeinsames Modell des Bauvorhabens aus Ingenieurbau, Verkehrsplanung, Vermessung, technischer Ausstattung und Bauwerken. Zentrale Herausforderungen seien die Interoperabilität mitsamt dem Schnittstellenmanagement und die Standardisierung der Datenbankeingaben. 

Sanierungsbedarf und duale Lösungen
Dem ÖPNV, insbesondere den Stadtbahnen, in NRW widmete sich nachfolgend Volker Wente, Geschäftsführer des Verbands Deutscher Verkehrsunternehmen in NRW. Er prognostizierte eine steigende Nachfrage und beschrieb den großen Sanierungsbedarf der vorhandenen Anlagen. Neu- und Ausbauprojekte in NRW seien selten geworden. In der abschließenden Diskussion im Plenum ging es um die drohende Gefahr „verschwundener Daten“ bei BIM. Hilmar von Lojewski bekräftigte, man müsse weiterhin dual arbeiten. Mit Datenaustauschformaten wie XPlanung und XBau könne zwar die Kompatibilität der Systeme gewährleistet werden, eine Lösung für die Dokumentation und überdauernde Lebenszyklen sei aber noch nicht gefunden.

Fragen zur Veranstaltung beantwortet Ihnen gerne Geschäftsführer Christoph Spieker unter Tel. 0211 / 13067-155 sowie E-Mail: spieker@ikbaunrw.de.