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Beratungsworkshop: Projekt Stadtteilhabe entwickelt sich

Drohnen: Technische Hilfen beim Vermessen

Parkouring als eine Idee für neu gestaltete Anlagen: Die Vorführungen faszinierten Gäste und Teilnehmer.

Vermessen mit dem Nivellierungsgerät im Erfahrungspark

Fitnessideen für neue Anlagen konnten die Teilnehmer gleich selbst testen.

Die Eröffnungsgäste ließen sich die einzelnen Stationen erklären.

Arbeiten am Plan für Kupferdreh...

Arbeiten am Plan für Bergeborbeck...

Eröffnung in der voll besetzten Aula der Essener Hinsbeckschule mit prominenten Gästen. Fotos: IK-Bau NRW/Edda Mair

Die Zwischenbilanz kann sich sehen lassen: „Wir Ingenieure sind beeindruckt von der Vielseitigkeit der Vorschläge. Nach Alter und Ausbildungsstand sind die Beiträge sehr unterschiedlich, aber man merkt ihnen durch die Bank an, dass mit ganz viel Begeisterung geplant und entwickelt wird.“ Dipl.-Ing. Georg Wiemann äußerte sich stellvertretend für die Ingenieurinnen und Ingenieure, die am 12. Mai in Essen bei den beiden Beratungsworkshops in Bergeborbeck und in Kupferdreh mit Rat und Tat zur Verfügung standen. Zudem seien richtig interessante Impulse durch die Arbeiten gegeben worden, die auch die Sicht der Fachleute teils neu „anstoße“. Den ganzen Tag wechselten sich die Gruppen an den beiden Standorten Kupferdreh und Bergeborbeck ab, um den Stand der jeweiligen Entwürfe mit den Experten zu besprechen. Details zu den Planungen der einzelnen Gruppen dürfen im laufenden Wettbewerb hier natürlich nicht genannt werden. 

Zur bisherigen Entwicklung des Projektes Stadtteilhabe: Die Aula der Hinsbeckschule und das Gemeindeheim St. Josef in Kupferdreh waren im März die Schauplätze für die Auftaktveranstaltung von "Stadtteilhabe. Ein Bürgerprojekt". Dabei waren die Grundschulkinder genauso eifrig dabei wie die Senioren. Auf Inititative der Ingenieurkammer-Bau NRW starteten rund 120 Bürgerinnen und Bürger aus Essen in 14 Teams zu diesem Planungsexperiment. Im Rahmen der "Grünen Hauptstadt Europas – Essen 2017" hatten Ingenieurkammer-Bau NRW, Stadt Essen und die Bürgerschaft Kupferdreh, mit Unterstützung der Initiative Bigwam, gemeinsam zu diesem Projekt aufgerufen.

 Der Plan: Experten, Stadtgesellschaft und Entscheider planen gemeinsam, zeitgleich und auf Augenhöhe. Dabei geht es nicht darum, einfach nur Planungsideen zu produzieren, sondern gemeinsam einen Prozess der besonderen Form der Bürgerbeteiligung in Gang zu setzen. Ingenieurinnen und Ingenieure vermitteln Bürgern ingenieurtechnisches Wissen, dafür bringen diese ihr Nutzer- und Bedürfniswissen für die Planungsorte ein. 

Und das ganz Besondere daran: Der Planungsentwurf wird anschließend von den geschulten Bürgerinnen und Bürgern entwickelt, nicht von den Experten. Und alle sind mit dabei: Grundschulkinder, Jugendliche und Erwachsene bis in das Seniorenalter. Groß und bunt war so die Auftaktveranstaltung, die mit Fachvorträgen begann, dann aber in den 17 Stationen großen Erfahrungspark überging. Rollstuhlrampe, Blindenlaufbahn, Parkourelement, Fitness-Station, Ampelschaltung simulieren, erste Überlegungen am Plan, rechnen wie lange ein Fußgänger über die Straße geht, Höhenmessung und Geländenivellierung – Planen mit Herz, Kopf und Hand.  

Als Aufgabe durften sich die Teilnehmer entscheiden: entweder sie entwickeln Ideen für den Verkehrsraum Byfanger Str./Schwermannstraße / Benderpark in Kupferdreh oder für den Verkehrsraum Germaniastraße / Haus-Berge-Straße in Bergeborbeck. Die Entscheidung fiel den Teilnehmern nicht schwer – jeder tüftelt, plant und entwickelt in seinem Stadtteil, in seinem persönlichen Lebensumfeld. Die Kupferdreher in Kupferdreh, die Bergeborbecker in Bergeborbeck. Nicht umsonst werden solch engagierte Bürgerinnen und Bürger häufig auch als „Ortsexperten“ bezeichnet. 

Und so geht es weiter: Am 14.9.2017 kommt es zum großen "Showdown". Alle Gruppen dürfen ihre Planungsentwürfe auf der Fachtagung "Stadtteilhabe" im RuhrTurm ausstellen. Einige Tage zuvor können sie ihre Arbeit schon im Internet publik machen und eine Fachjury gibt ihr Urteil ab. Zu gewinnen sind Geldpreise bis zu 500 Euro.  

Von dem Projekt begeistert waren auch NRW-Verkehrsminister Michael Groschek, Oberbürgermeister Thomas Kufen, Simone Raskob (zuständige Dezernentin für die Grüne Hauptstadt Europas), Kammerpräsident Dr.-Ing. Heinrich Bökamp und Prof. Dr. Jürgen Gramke (Vorsitzender des Kuratoriums der Bürgerschaft Kupferdreh). Auch dabei Skender Xhakaliu, Botschafter der Republik Kosovo, der sich diese Form der Bürgerbeteiligung mit großer Neugier erklären ließ. Dabei lag sein Interesse auf einer möglichen Übertragbarkeit z.B. in die Hauptstadt des Kosovo, nach Priština. Die prominenten Gäste ließen sich bei einem Rundgang die verschiedenen Stationen zeigen: von den Plänen zu Gehweg- und Parkgestaltung über die Geländenivellierung bis zu Fitness- und Barriereaspekten.

Gemeinsam hatten sich alle vor Ort einen persönlichen Eindruck gemacht und freuten sich, dabei gewesen zu sein: "Wenn wir auf diesem Wege eine andere, eine neue Kommunikationskultur in der Planung und Umsetzung von Bau- und Verkehrsprojekten bekommen, ist dies ein guter Weg, schneller und konfliktfreier zu besseren Ergebnissen zu kommen. Respekt vor der Kreativität und dem Mut der drei Partner - Ingenieurkammer, Stadt und Bürgerschaft - hier mit gutem Beispiel voranzugehen", war Minister Michael Groschek begeistert von "Stadtteilhabe. Ein Bürgerprojekt". 

Auch Oberbürgermeister Thomas Kufen sah die Vorteile des geschulten Bürgers: "Als Stadt ist uns daran gelegen, starke Stadtteile zu fördern und ein lebenswertes Umfeld für die Bürgerinnen und Bürger zu gestalten. Deshalb sind wir begeistert von dem Engagement der Essenerinnen und Essener, die hier ihre persönliche Gestaltungskraft einbringen." 

"Für uns Ingenieurinnen und Ingenieure ist es immer aufregend, wenn wir an der Gestaltung moderner, zukunftsweisender Projekte mitgestalten können. Und bei diesem Projekt geht es nicht nur um unser technisches Wissen, sondern auch um die politische und soziale Dimension – wirklich um echte Bürgerbeteiligung. Wir sind maximal gespannt, wie sich der heute angeschobene Prozess entwickeln wird. Aber wir sind überzeugt, dass wir uns am Ende über tolle Ideen freuen dürfen", so Kammerpräsident Dr. Heinrich Bökamp.

"Ich bin begeistert von so viel Engagement unserer Kupferdreher Bürgerinnen und Bürger und freue mich natürlich ganz besonders, dass wir uns auch als Bürgerschaft aktiv einbringen können. Die Idee, Planung ganz konkret erlebbar zu machen, hilft enorm, um sich auch in die Bedürfnisse Anderer hineinzuversetzen. Schließlich setzt gute Planung immer auch einen empathischen Kompromiss für unterschiedliche Nutzerbedürfnisse voraus", sah Prof. Gramke eine gute Chance für Kupferdreh. 

Für die fachlich kompetente Unterstützung an den verschiedenen Stationen des Auftakttages zeichneten Ingenieurinnen und Ingenieure der Kammer, die mit viel Engagement die Fragen der interessierten Teilnehmer beantworteten. 

Weitere Infos unter www.stadtteilhabe.de