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Türme für Pisa

Technik und Gestaltung stehen nicht im Widerspruch zu einander. "Türme für PISA" lautete die Antwort der Ingenieurkammer-Bau NRW auf den Technikfrust von Schülerinnen und Schülern. Ein außergewöhnliches Projekt mit Wettbewerbscharakter, das Schüler auf spielerische Weise vor bautechnische Fragen stellt und sie ingenieurtechnische Gesetzmäßigkeiten erkunden lässt. Für viele Jugendliche war dies der erste Kontakt zum Bauingenieurwesen.
Nach den großen Einstiegserfolgen in den Jahren 2002 und 2003 wurde der Schülerwettbewerb 2004 und 2005 zum Teil mit neuen Fragestellungen, gemeinsam mit neun Hochschulen aus NRW, für die Jahrgangsstufen 10-12 an Gymnasien, Gesamtschulen und Berufskollegs ausgeschrieben.

Aufgabe war es, aus Pappe einen möglichst stabilen und kreativ gestalteten Turm zu bauen, der im Verhältnis zu seinem Eigengewicht die größtmögliche Last trägt und dies in schriftlicher Form zu dokumentieren. Die Aufgabenstellung war jeweils genau definiert und musste zentimetergenau eingehalten werden. Der Turm sollte 120cm hoch sein, die Spitze durfte nur eine Bierdeckelgröße breit sein und auch die Aufstellfläche von 50 x 50cm war begrenzt.

Zum Bau des Turms wurde den Schülern die "PISA-Box" zur Verfügung gestellt. Sie enthält nahezu alles, was angehende Ingenieure brauchen, um Türme zu bauen - vom Geodreieck über Scheren, Zirkel, Falsbeine, Büroklammern bis zum großen Stahllineal und natürlich die entscheidenden sechs Bögen Bastelpappe.

In der Planungs- und Bauphase mussten die Jugendlichen ihrer eigenen Kreativität folgen und ihr Wissen aus dem Mathematik- und Physikunterricht einbringen. Für ganz spezielle Fachfragen standen aber zusätzlich Ansprechpartner der beteiligten Hochschulen RWTH Aachen, FH Bielefeld, Ruhr-Universität Bochum, Universität Duisburg-Essen, FH Lippe und Höxter, FH Köln, FH Münster, Universität Siegen, Universität Wuppertal zur Verfügung.

Was bedeutet Biegung, wie reagiert ein Stab auf Zug und was kann ich tun, damit der Druck auf die Pappe erhöht werden kann? Die Professoren für Baustatik und -dynamik an den Hochschulen hatten sich mit ihren Teams bei den Kick Off-Veranstaltungen immer einen anschaulichen „Einführungsunterricht“ überlegt und kleine Versuchsanlagen aufgebaut. Mit diesem Grundwissen ausgestattet, bastelten und tüftelten in den drei durchgeführten Wettbewerben rund 230 Schülergruppen und rund 1.500 Schülerinnen und Schüler aus fünf Regierungsbezirken um den Titel des besten Turmbauers. Bis zu 60 Stunden in drei Monaten investierten sie in ihre Türme, bis sie zu den großen Regionalentscheidungen wieder an die Hochschulen kamen.

Mit unbestechlichen Abdrückmaschinen wurde geprüft, welcher Turm im Verhältnis zum Eigengewicht die meiste Last trägt. Gebannt fieberten die Teilnehmer den Ergebnissen beim großen Türmetest entgegen. Denn den Siegern winkte die Teilnahme am jeweiligen Landeswettbewerb an der Universität Duisburg-Essen.

Aber nicht nur die Turmbauer fieberten den Ergebnissen entgegen. Auch die Medien waren jedes Jahr mit Reportern vor Ort. Ob Zeitung, Hörfunk oder Fernsehen, alle Veranstaltungen wurden mit ausführlicher Berichterstattung in ganz Nordrhein-Westfalen begleitet. Für 2003 beispielweise bedeutete dies 192 Printartikel, 22 Hörfunk- und elf zum Teil landesweit ausgestrahlte Fernsehbeiträge – in nur vier Monaten.

Den bis heute überraschendsten Erfolg trug der Landessieger von 2003 davon: Der Turm des Siegers  trug bei nur 699 Gramm Gewicht sage und schreibe 378,9 Kilogramm!